Appell bei Fachvortrag: Nichts auf die lange Bank schieben

Wie Firmen Wissen sichern

Auszug aus der FLZ vom 24.10.2018

Es hängt ein Schreckgespenst über der deutschen Wirtschaft: der Fachkräftemangel und eine immer älter werdende Gesellschaft. Dazu kommt die große Herausforderung, das Know-How nicht zu verlieren, wenn erfahrende Mitarbeiter ihren Job wechseln, in den Ruhestand gehen oder Unternehmensübergaben anstehen. Zum Thema Wissenstransfer hat Prof. Dr. Michael Müller von der Hochschule Ansbach einen Vortrag gehalten.

„Das Thema gibt es schon recht lange, aber man hat das Gefühl, dass es noch nicht in allen Köpfen der Unternehmer angekommen ist“, sagte Müller, der Professor für Organisation und Management sowie wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Mittelstand und Unternehmensentwicklung der Hochschule Ansbach (IMEA) ist. Dabei geht es um Erfahrungen und Wissen der Mitarbeiter, beispielsweise bei Produkten, Arbeitsabläufen, Dienstleistungen, Kunden oder Lieferanten.

„Ich werde oft gefragt: Wann fange ich mit der Wissenssicherung an? Meine Antwort: morgen“, stellte der Experte fest. Als ersten Schritt empfahl Michael Müller den rund 25 Zuhörern, altersgemischte Teams zu bilden und das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben. Weitere Punkte, um das Wissen im Unternehmen zu halten: hauseigene Datenbanken, Lerntandems, überlappende Einarbeitungszeiten zwischen den „neuen und alten Besen“ oder Patenprogramme. Wichtig sei es, die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen und offen mit ihnen darüber zu sprechen. Auch das „Ausmisten“ von Wissen sei von Bedeutung.

Die Aufbereitung und Sicherstellung sollte entweder schriftlich oder mündlich erfolgen – am besten beides, aber auf jeden Fall kontinuierlich. Dazu müsste der Arbeitgeber den Beschäftigten auch Zeit und Raum geben. Als Beispiel nannte er ein Krankenhaus, in dem zwei Ärzte sich während ihrer Kaffeepause ausgetauscht haben. Der Chef lief vorbei und fragte: „Habt ihr nichts Besseres zu tun?“ Methoden zur Expertenbefragung seien unter anderem strukturierte Interviews, moderierte Übergabegespräche, Dokumentenanalyse oder kooperatives Arbeiten. „Studien haben ergeben, dass sich die Einarbeitungszeit eines neuen Mitarbeiters um 30 bis 50 Prozent reduziert, wenn er auf schon vorhandenes Wissen zurückgreifen kann“, erklärte Müller.

Die Veranstaltung war eine Kooperation des IMEA und der Meyerhuber Rechtsanwälte Partnerschaft mit Unterstützung der IHK-Geschäftsstelle Ansbach.

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